Lastendrohnen in Bayern: Alexander Mohr über Transporte, Forstwirtschaft und die Zukunft der Drohnenlogistik

Lastendrohnen könnten dort besonders interessant werden, wo Menschen schwere Lasten durch schwieriges Gelände tragen oder bislang Hubschrauber eingesetzt werden. Alexander Mohr, Geschäftsführer von CopterPro sowie Drohnen- und Berufshubschrauberpilot, hat einen solchen Einsatz in Bayern begleitet. Am Walchensee wurden mit einer DJI FlyCart 100 Pflanzensetzlinge in schwer zugängliche Bergbereiche transportiert. Im Interview spricht Mohr über Technik, Genehmigungen, Wirtschaftlichkeit und darüber, wo er den Markt für professionelle Lastendrohnen sieht.

100 Kilogramm Nutzlast, ein elektrisch gesteuerter Lasthaken und ein Einsatzgebiet mitten im bayerischen Bergland:

Lastendrohnen haben mit den klassischen Kamera-Coptern, die viele Menschen mit dem Begriff Drohne verbinden, nur noch wenig gemeinsam.

Systeme wie die DJI FlyCart 100 sind für Transportaufgaben konzipiert. DJI gibt für das System unter Idealbedingungen bis zu 100 Kilogramm Nutzlast im Single-Battery-Betrieb beziehungsweise bis zu 85 Kilogramm mit zwei Akkus an. Das maximale Abfluggewicht liegt laut Hersteller bei 170 Kilogramm.

Wie ein solcher Einsatz in der Praxis aussehen kann, zeigte eine Vorführung in Bayern.

Gemeinsam mit einem Kunden und Vertretern aus der Forstwirtschaft transportierte Alexander Mohr Pflanzensetzlinge per Lastendrohne in schwer zugängliches Gelände.

„Hier müssen die Pflanzen irgendwie den Berg hinauf“

Drohnenjournal: Alexander, was war der konkrete Anlass für den Einsatz in Bayern?

Alexander Mohr: Ein Kunde von uns hatte sich für eine DJI FlyCart 100 entschieden und wollte sich mit Lastentransporten in der Region positionieren.

Schon beim Verkaufsgespräch hatte er gefragt, ob wir ihn bei den ersten Einsätzen unterstützen können.

Kurz darauf kam eine Anfrage aus dem Umfeld der Bayerischen Staatsforsten.

Dabei ging es darum zu zeigen, wie Pflanzensetzlinge mit einer Lastendrohne in schwer zugängliche Bereiche transportiert werden können.

Das war für uns natürlich ein sehr interessanter Praxiseinsatz.

Aufforstung aus der Luft

Die Aufgabe klingt zunächst simpel:

Pflanzen müssen von einem Ausgangspunkt im Tal in mehrere höher gelegene Bereiche gebracht werden.

Ohne technische Unterstützung bedeutet das für Mitarbeiter, Material, Werkzeug, Verpflegung und Pflanzen selbst durch anspruchsvolles Gelände zu tragen.

Genau hier soll die Lastendrohne ansetzen.

Alexander Mohr: Vor Ort gab es mehrere sogenannte Schlitze beziehungsweise Aufforstungsbereiche.

Dorthin mussten die Pflanzen gebracht werden.

Normalerweise müssten Mitarbeiter die Pflanzen in kleineren Mengen nach oben tragen.

Mit der Drohne können wir stattdessen einen kompletten Bigpack aufnehmen, zum Zielbereich fliegen und dort absetzen.

Danach müssen die Mitarbeiter nur noch ihr Werkzeug mitnehmen und können direkt mit der Pflanzarbeit beginnen.

1.000 Pflanzen in wenigen Minuten

Bei der Vorführung wurden rund 1.000 Pflanzen transportiert.

Ursprünglich war eine größere Menge vorgesehen, aufgrund der Wetterbedingungen wurde der Umfang jedoch reduziert.

Ein einzelner Bigpack wog dabei etwa 50 Kilogramm.

Drohnenjournal: Was war für dich das Entscheidende an diesem Versuch?

Alexander Mohr: Dass man unmittelbar sieht, welche Arbeit damit eingespart werden kann.

Wenn Mitarbeiter Pflanzen mit einer Kraxe den Berg hinauftragen, sprechen wir schnell von 20 oder 30 Kilogramm zusätzlichem Gewicht pro Person.

Dazu kommen Werkzeug und Proviant.

Das ist körperlich extrem anstrengend.

Wenn wir einen 50-Kilogramm-Pack innerhalb weniger Minuten an den Einsatzort fliegen können, verändert das den gesamten Ablauf.

DJI FlyCart 100: Transport statt Kamera

Anders als typische Enterprise-Drohnen wurde die FlyCart speziell für Logistikaufgaben entwickelt.

Das von Mohr eingesetzte System arbeitet unter anderem mit einer Seil- beziehungsweise Hakenlösung.

DJI nennt für das optionale Winch-System eine Seillänge von bis zu 30 Metern. Der Haken lässt sich elektrisch öffnen und schließen; zudem sind Funktionen wie Wiegen und kontrolliertes Einziehen vorgesehen.

Alexander Mohr: Das ist eine reine Transportdrohne.

Wir haben die Möglichkeit, eine Last unter der Drohne zu transportieren und sie gezielt an einem bestimmten Punkt abzusetzen.

Damit entstehen völlig andere Einsatzmöglichkeiten als bei klassischen Kamera- oder Vermessungsdrohnen.

Wo Lastendrohnen sinnvoll werden können

Für Mohr liegt das Potenzial vor allem dort, wo der Transport über den Boden langsam, körperlich belastend oder organisatorisch aufwendig ist.

Zu den denkbaren Einsatzfeldern gehören unter anderem Forstwirtschaft, Hüttenversorgung, Baustellen und Materialtransporte in schwer zugänglichem Gelände.

Alexander Mohr: Gerade in Bayern, im Allgäu oder in Österreich gibt es viele Orte, an denen Hütten oder Baustellen versorgt werden müssen.

Teilweise werden dafür Hubschrauber eingesetzt.

In anderen Fällen tragen Menschen das Material selbst nach oben.

Wenn die Last innerhalb der Möglichkeiten der Drohne liegt, entsteht dazwischen eine neue Transportoption.

Die 100-Kilogramm-Grenze

Genau hier liegt allerdings auch eine klare Einschränkung.

Eine Lastendrohne ersetzt keinen Hubschrauber in allen Transportaufgaben.

Ein Hubschrauber kann erheblich größere Lasten bewegen und erfüllt ein deutlich breiteres Einsatzspektrum.

Die Stärke einer Transportdrohne liegt vielmehr bei vergleichsweise kleinen Lasten, die dennoch zu schwer oder zu aufwendig für einen manuellen Transport sind.

Drohnenjournal: Ist die Lastendrohne aus deiner Sicht ein Ersatz für den Hubschrauber?

Alexander Mohr: Nein, nicht grundsätzlich.

Ich komme selbst aus der Hubschrauberei und kenne beide Systeme.

Der Hubschrauber kann ganz andere Lasten bewegen.

Aber es gibt viele Transporte, bei denen man eben keine große Maschine braucht.

Wenn ich 30, 50 oder vielleicht 80 Kilogramm transportieren muss, kann die Drohne eine sehr interessante Alternative sein.

Dann muss man vergleichen: Was kostet der Hubschrauber? Wie hoch ist der Personalaufwand bei einem Transport zu Fuß? Und was kostet der Drohneneinsatz?

Zwischen Hubschrauber und Muskelkraft

Genau diese Nische dürfte für Lastendrohnen besonders interessant sein.

Der Vergleich lautet nicht ausschließlich:

Drohne gegen Hubschrauber.

Oft lautet er vielmehr:

Drohne gegen mehrere Personen, mehrere Wege und mehrere Stunden körperliche Arbeit.

In der Forstwirtschaft kommt zusätzlich das Unfallrisiko hinzu.

Schwere Lasten über steile oder unwegsame Strecken zu tragen, gehört zu den körperlich anspruchsvollsten Tätigkeiten im Gelände.

Bei der Präsentation in Bayern wurde genau dieser Aspekt von Vertretern der Forstwirtschaft hervorgehoben.

Lastendrohnen als Arbeitsschutz?

Alexander Mohr: Für mich ist das ein extrem wichtiger Punkt.

Die Drohne kann Menschen körperlich schwere Arbeiten abnehmen.

Gerade bei der Aufforstung geht es nicht darum, die Mitarbeiter zu ersetzen.

Sie müssen weiterhin die Pflanzen setzen.

Aber sie müssen möglicherweise nicht mehr zusätzlich das komplette Material den Berg hinauftragen.

Damit reduzieren wir Belastung und möglicherweise auch Unfallrisiken.

Leiser als ein Hubschrauber

Auch Umwelteinflüsse spielen bei solchen Einsätzen eine Rolle.

Ein Hubschrauber verursacht eine andere Geräuschkulisse und benötigt Kraftstoff, während eine große Lastendrohne elektrisch betrieben wird.

Vertreter der Forstwirtschaft bezeichneten die geringere Lärmbelastung bei der Vorführung als einen interessanten Faktor, insbesondere in Gebieten mit sensiblen Wildarten.

Allerdings gilt auch hier:

Eine schwere Lastendrohne ist keineswegs lautlos.

Die Aussage ist deshalb weniger „geräuschloser Transport“ als vielmehr die Frage, welche Plattform für den jeweiligen Auftrag angemessen ist.

Kein System für den Kofferraum

Eine FlyCart 100 kauft man nicht und legt sie anschließend neben eine DJI Mini.

Zur professionellen Infrastruktur gehören weit mehr Komponenten.

Alexander Mohr: Man braucht natürlich die Drohne und die Akkus.

Aber damit ist es noch lange nicht getan.

Man braucht ein geeignetes Fahrzeug oder einen Anhänger.

Man benötigt Ladeinfrastruktur und entsprechend leistungsfähige Stromversorgung.

Hinzu kommen Anschlagmittel, Schlingen, geeignete Transportbehälter und weiteres Zubehör.

Wenn man professionell arbeiten möchte, muss dieses gesamte System mobil einsatzbereit sein.

 

Neun Minuten bis zum geladenen Akku

Der Energiebedarf solcher Plattformen ist erheblich.

DJI bietet für die FlyCart-Serie entsprechend leistungsfähige Ladesysteme und Generatorlösungen an. In der Praxis bedeutet das: Wer kontinuierlich arbeiten möchte, muss die Energieversorgung bereits bei der Einsatzplanung berücksichtigen.

Mohr beschreibt Ladeleistungen im zweistelligen Kilowattbereich und sehr kurze Ladezyklen.

Damit unterscheidet sich die Logistik hinter der Drohne deutlich von einem normalen Foto-Copter.

Warum man bei Lastendrohnen einen zweiten Copter mitnehmen kann

Bei kommerziellen Einsätzen zählt außerdem Ausfallsicherheit.

Bei dem Einsatz in Bayern standen deshalb zwei Systeme bereit.

Alexander Mohr: Gerade bei einer Vorführung oder einem Kundenauftrag möchte ich nicht vor Ort stehen und sagen müssen: Wir können heute nicht fliegen.

Wenn wirtschaftlich wichtige Einsätze daran hängen, braucht man einen Plan B.

Das kann eine zweite Drohne sein oder zumindest eine funktionierende Service- und Ersatzstrategie.

Service wird Teil des Geschäftsmodells

Genau deshalb bewertet Mohr professionellen Drohnenhandel anders als den Verkauf einer Consumer-Drohne.

Seine eigene Firma CopterPro ist auf Verkauf, Schulung, Service und Dienstleistungen im Drohnenbereich spezialisiert; Mohr selbst ist Geschäftsführer und Berufshubschrauber- sowie Drohnenpilot.

Bei dem Bayern-Einsatz zeigte sich diese Rolle unmittelbar.

Am Kundengerät war zuvor ein Problem im Bereich GNSS/GPS aufgefallen.

Statt lediglich Ersatzteile zu versenden, wurde eine Ersatzlösung zum Einsatz mitgebracht.

Alexander Mohr: Wenn jemand mit einer solchen Drohne Geld verdient, muss die Technik verfügbar sein.

Dann reicht es nicht, nur das Gerät zu verkaufen.

Wenn ein Kunde einen Auftrag hat und sein System ausfällt, braucht er schnelle Unterstützung.

Genehmigungen: 170 Kilogramm sind keine Hobbydrohne

Mit zunehmender Größe steigt auch der regulatorische Aufwand.

Ein System mit einem maximalen Abfluggewicht von bis zu 170 Kilogramm liegt weit außerhalb dessen, was typische Freizeitpiloten aus der Open Category kennen.

Für solche Einsätze sind unter anderem Betriebskonzepte, Risikoanalysen und entsprechende Genehmigungen relevant.

Alexander Mohr: Hier sprechen wir über professionelle Luftfahrt.

Man muss wissen, was man macht.

Der Pilot braucht die entsprechende Ausbildung und der Betrieb muss genehmigungsfähig sein.

Je nach Einsatzgebiet müssen Risiken bewertet und Flugräume entsprechend geplant werden.

Bei einer Lastendrohne geht es nicht darum, einfach irgendwo zu starten und 50 Kilogramm durch die Gegend zu fliegen.

Kommunikation am Boden ist Teil der Flugsicherheit

Während des Einsatzes zeigt sich ein weiterer Unterschied zum klassischen Kameraflug:

Der Pilot arbeitet eng mit Personen am Aufnahme- und Absetzpunkt zusammen.

Dafür werden klare Zeichen und Funkkommunikation vereinbart.

Alexander Mohr: Wenn ich eine Last absetze, muss eindeutig sein, wann sie sicher auf dem Boden steht.

Dann bekomme ich das Signal, öffne den Haken und ziehe ihn anschließend wieder ein.

Niemand darf dabei noch am Haken oder an der Last arbeiten.

Solche Abläufe müssen vorher klar abgesprochen werden.

Warum Standardabläufe entscheidend sind

Gerade bei externen Lasten können kleine Missverständnisse erhebliche Folgen haben.

Deshalb besteht professioneller Lastendrohnenbetrieb nicht allein aus Pilotierung.

Crew Resource Management, Funk, definierte Rollen und klare Abbruchkriterien gehören ebenso dazu.

Der eigentliche Flug ist nur ein Teil der Dienstleistung.

Was kostet ein Lastendrohnen-Einsatz?

Eine der spannendsten Fragen für professionelle Betreiber ist die Wirtschaftlichkeit.

Mohr nennt für spezialisierte Lastentransporte mögliche Kalkulationen im Bereich von etwa 900 bis 1.200 Euro pro Einsatzstunde, ergänzt um Infrastruktur, Personal und Anfahrt.

Diese Werte sind ausdrücklich als Erfahrungs- und Kalkulationswerte aus seinem Dienstleistungsgeschäft zu verstehen – nicht als allgemeine Marktpreise.

Alexander Mohr: Der Preis hängt stark vom jeweiligen Auftrag ab.

Ein einfacher Transport ist etwas anderes als ein Einsatz in schwierigem Gelände.

Hinzu kommen Personal, Fahrzeug, Generator, Vorbereitung und Anfahrt.

Deshalb muss jeder Auftrag individuell gerechnet werden.

Nicht Flugzeit verkaufen, sondern Transportleistung

Ähnlich wie bei Vermessungs- oder Inspektionsdrohnen liegt der Wert für den Kunden nicht in der bloßen Flugzeit.

Ein Auftraggeber möchte wissen:

Wie schnell kommt die Last ans Ziel?

Wie viele Personen werden benötigt?

Wie hoch ist der Aufwand mit alternativen Methoden?

Und lässt sich der Vorgang zuverlässig wiederholen?

Damit wird die Lastendrohne weniger als Fluggerät und stärker als Logistiksystem betrachtet.

Landwirtschaft und Forstwirtschaft als früher Markt

Die Aufforstung in Bayern ist dafür ein gutes Beispiel.

Forstbetriebe arbeiten häufig in Gebieten, die mit Fahrzeugen nur schwer erreichbar sind.

Gleichzeitig müssen dort regelmäßig Material, Pflanzen oder Werkzeug bewegt werden.

Drohnenjournal: Siehst du gerade die Forstwirtschaft als wichtigen Markt?

Alexander Mohr: Absolut.

Bei der Pflanzung sieht man den Mehrwert unmittelbar.

Aber es gibt darüber hinaus weitere Ideen.

Materialtransporte, Maßnahmen im Schutzwald oder andere Arbeiten in schwierigem Gelände sind denkbar.

Man muss sich jeden Anwendungsfall genau anschauen und prüfen, ob die Last, Strecke und Rahmenbedingungen zur Drohne passen.

Hüttenversorgung als weiterer Anwendungsfall

Ein naheliegender Markt sind Berghütten.

Lebensmittel, Getränke, Gasflaschen oder andere Verbrauchsgüter müssen regelmäßig transportiert werden.

Nicht jeder Transport rechtfertigt einen Hubschrauber.

Gleichzeitig kann ein Transport zu Fuß erhebliche Zeit beanspruchen.

Genau in diesem Zwischenbereich können Cargo-Drohnen interessant werden.

Auch Wildbergung als mögliches Einsatzgebiet

Mohr nennt außerdem die Bergung von Wild als denkbare Anwendung.

Gerade in schwierigem Gelände kann der Transport eines Tieres mit erheblichem Personalaufwand verbunden sein.

Auch hier gilt allerdings:

Der konkrete Einsatz muss rechtlich, technisch und praktisch geprüft werden.

Nicht jede theoretisch mögliche Last ist automatisch ein sinnvoller Drohneneinsatz.

Wetter bleibt ein entscheidender Faktor

Der Bayern-Einsatz fand bei Kälte und leichtem Schneefall statt.

Damit war die Vorführung gleichzeitig ein Test unter weniger komfortablen Bedingungen.

DJI gibt für die FlyCart 100 einen Betriebstemperaturbereich von -20 bis +40 Grad Celsius und eine IP55-Klassifizierung des Fluggeräts an. Die tatsächliche Nutzlast und Flugleistung hängen jedoch von Umweltbedingungen, Höhe und Konfiguration ab.

Alexander Mohr: Natürlich wäre perfektes Wetter für eine Vorführung schöner gewesen.

Aber ein professionelles System muss auch unter realistischen Bedingungen funktionieren.

Gerade in Bergregionen hat man eben nicht jeden Tag Sonne und Windstille.

Höhe verändert die Nutzlast

Dieser Punkt wird bei Lastendrohnen besonders wichtig.

Herstellerangaben zur maximalen Nutzlast gelten nicht unabhängig von Standort und Umweltbedingungen.

Mit steigender Höhe und veränderten atmosphärischen Bedingungen kann die Leistungsreserve sinken.

DJI weist deshalb selbst darauf hin, dass die tatsächlich empfohlene Beladung von Flugzustand, Umweltbedingungen und Aufgabe abhängt.

Für den professionellen Betreiber bedeutet das:

Die theoretischen 100 Kilogramm sind nicht automatisch bei jedem Einsatz verfügbar.

Was bedeutet das für Drohnendienstleister?

Für Unternehmer entsteht mit Cargo-Drohnen ein neues Spezialgebiet.

Gleichzeitig liegt die Einstiegshürde deutlich höher als bei klassischen Foto- oder Wärmebilddienstleistungen.

Die Investition umfasst nicht nur das Fluggerät.

Es braucht Ausbildung, Genehmigung, Infrastruktur, Transportfahrzeug, Energieversorgung, Ausrüstung und häufig zusätzliches Personal.

Dafür können Aufträge einen entsprechend größeren wirtschaftlichen Umfang erreichen.

„Der Markt entsteht gerade erst“

Drohnenjournal: Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, in Lastendrohnen einzusteigen?

Alexander Mohr: Ich glaube, dass wir bei diesem Markt noch relativ am Anfang stehen.

Viele potenzielle Kunden wissen noch gar nicht, was mit solchen Systemen möglich ist.

Deshalb sind Vorführungen so wichtig.

Wenn ein Förster oder Hüttenbetreiber zum ersten Mal sieht, dass wir 50 Kilogramm Material innerhalb weniger Minuten an einen schwer erreichbaren Punkt bringen, versteht er den Nutzen sofort.

Dann entstehen plötzlich neue Ideen.

Erst die Vorführung, dann die Anwendung

Genau das geschah auch beim Einsatz in Bayern.

Nach der Vorführung kündigten Vertreter des Forstbetriebs nach Angaben der Beteiligten bereits weitere Ideen für mögliche Anwendungen an.

Für Alexander Mohr ist das typisch für neue Technologien.

Zunächst muss ein potenzieller Kunde sehen, dass das System zuverlässig funktioniert.

Erst danach beginnt die eigentliche Diskussion darüber, welche bisherigen Arbeitsabläufe sich verändern lassen.

Die Lastendrohne als neues Arbeitsgerät

Der Einsatz am Walchensee zeigt damit weniger eine spektakuläre Flugdemonstration als vielmehr einen möglichen Wandel in der Logistik kleiner und mittlerer Lasten.

Lastendrohnen treten genau dort in den Markt ein, wo bisher eine Lücke bestand:

Zu schwer für den komfortablen Transport zu Fuß.

Zu klein oder zu teuer für einen klassischen Hubschraubereinsatz.

Zu unzugänglich für Fahrzeuge.

In dieser Nische können Systeme wie die FlyCart 100 zu einem neuen Werkzeug werden.

Alexander Mohr: „Man muss den gesamten Prozess betrachten“

Für Mohr entscheidet deshalb nicht allein die maximale Nutzlast über den Erfolg.

Alexander Mohr: Die 100 Kilogramm sind natürlich eine beeindruckende Zahl.

Aber entscheidend ist am Ende nicht die Zahl auf dem Datenblatt.

Man muss schauen:

Wie kommt die Drohne zum Einsatzort?

Wie lade ich sie?

Wie kommuniziert das Team?

Wie setze ich die Last sicher ab?

Welche Genehmigungen brauche ich?

Und was spart mein Kunde gegenüber seiner bisherigen Lösung?

Erst wenn diese Punkte zusammenpassen, entsteht eine echte Dienstleistung.

Fazit: Lastendrohnen verlassen die Demonstrationsphase

Der Pflanzentransport in Bayern zeigt exemplarisch, wohin sich professionelle Drohnenanwendungen entwickeln.

Es geht nicht mehr ausschließlich um Kameras, Vermessung oder Wärmebilder.

Drohnen beginnen, physische Arbeit zu übernehmen.

Sie bewegen Material.

Sie überbrücken schwieriges Gelände.

Und sie können vorhandene Logistikketten ergänzen.

Ob sich Lastendrohnen großflächig durchsetzen, wird davon abhängen, wie wirtschaftlich, regulatorisch und zuverlässig solche Einsätze im Alltag umgesetzt werden können.

Der technische Rahmen ist inzwischen vorhanden.

Die nächsten Jahre werden zeigen, welche Geschäftsmodelle daraus entstehen.

Über Alexander Mohr

Alexander Mohr ist Geschäftsführer der CopterPro GmbH und beschäftigt sich professionell mit Drohnentechnologie, Handel, Schulung und Drohnendienstleistungen.

Als Berufshubschrauber- und Drohnenpilot verbindet er Erfahrungen aus bemannter und unbemannter Luftfahrt. Zu seinen Tätigkeitsfeldern gehören unter anderem professionelle Enterprise-Drohnen, Wärmebildtechnik und inzwischen zunehmend auch Lastendrohnen.

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