Drohnen im BOS-Einsatz: FeuerwehrWilli André Willer über Technik, Ausbildung und die Zukunft der Einsatzdrohne

André Willer alias „FeuerwehrWilli“ beschäftigt sich seit Jahren mit Feuerwehr, Katastrophenschutz und moderner Drohnentechnik. Im Gespräch berichtet der BOS-Experte über seine Erfahrungen mit Einsatzdrohnen, die Anforderungen an Behörden und Feuerwehren sowie seinen Schritt zur DJI Matrice 400. Gleichzeitig wagt er den Blick über den klassischen BOS-Einsatz hinaus – etwa auf Inspektion, Thermografie und professionelle Drohnenreinigung.

Drohnen haben sich bei Feuerwehr, Rettungsorganisationen und anderen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben – kurz BOS – längst vom interessanten Zusatzgerät zum ernstzunehmenden Einsatzmittel entwickelt. Wärmebildkameras unterstützen bei der Personensuche, Luftbilder liefern Einsatzleitungen eine zusätzliche Perspektive und moderne Enterprise-Drohnen können bei großen Schadenslagen wichtige Informationen bereitstellen.

Einer, der beide Welten kennt, ist André Willer, besser bekannt als FeuerwehrWilli. Er war sieben Jahre beim THW aktiv, blickt auf langjährige Erfahrung bei der Feuerwehr zurück, war unter anderem Wehrleiter und beschäftigt sich intensiv mit Drohnentechnik im BOS-Umfeld.

Im Gespräch geht es um seine Erfahrungen mit Drohnen bei Feuerwehr und Behörden, Ausbildung und Genehmigungen – aber auch um die Frage, welche neuen Dienstleistungen mit professionellen Drohnensystemen möglich werden.

„Man steigert sich bei Drohnen irgendwie immer weiter“

Drohnenjournal: André, inzwischen stehen bei dir einige Drohnen. Wie hat das Ganze angefangen?

André Willer: Angefangen habe ich tatsächlich mit einer kleinen Drohne. Und dann steigert man sich irgendwie immer weiter. Gleichzeitig merkt man aber auch, was diese Technik alles ermöglicht.

Mittlerweile habe ich unter anderem eine Mini 5 Pro, eine Matrice 4T beziehungsweise 4TD und jetzt die Matrice 400. Dazu kommt nun auch ein Reinigungssystem.

Die Matrice 400 ist natürlich noch einmal eine ganz andere Klasse. Ich bin entsprechend gespannt, welche Möglichkeiten sich damit ergeben.

Warum die DJI Matrice 400?

Drohnenjournal: Was war für dich ausschlaggebend, in eine DJI Matrice 400 zu investieren?

André Willer: Ich habe die Entwicklung schon länger verfolgt. Für mich war irgendwann klar, dass ich gerne relativ früh mit dieser Technik arbeiten möchte.

Die Matrice 400 ist noch ein vergleichsweise neues System, und gerade in Kombination mit einem Reinigungssystem entstehen daraus völlig neue Möglichkeiten.

Ich bin gerne früh bei neuen Entwicklungen dabei und glaube, dass daraus interessante Geschäftsmodelle entstehen können.

Die Matrice 400 lässt sich natürlich nicht nur für Reinigungsarbeiten einsetzen. Zusammen mit meiner Matrice 4TD bin ich jetzt sehr vielseitig aufgestellt. Themen wie Reinigung, Vermessung, Inspektion oder Thermografie finde ich extrem interessant.

Von Feuerwehrdrohnen zur professionellen Dienstleistung

Drohnenjournal: Dein Name ist vor allem aus Feuerwehr und BOS bekannt. Jetzt beschäftigst du dich zusätzlich mit kommerziellen Drohnendienstleistungen. Warum?

André Willer: Eine solche Investition muss sich natürlich irgendwann refinanzieren.

Gerade bei Photovoltaikanlagen oder Fassaden sehe ich Möglichkeiten, Reinigungsarbeiten mit der Drohne durchzuführen. Das Thema ist noch relativ neu. Deshalb glaube ich, dass sich hier für Dienstleister Chancen entwickeln.

Ich möchte das zunächst relativ entspannt aufbauen und vor allem regional im norddeutschen Bereich arbeiten.

Durch meine Reichweite entstehen natürlich Kontakte, aber ich möchte zunächst Erfahrungen sammeln und mit ersten Projekten in der Umgebung starten.

40 Meter Schlauch und bis zu 200 bar

Beim getesteten System wird eine Reinigungslanze unter der DJI Matrice 400 montiert. Zum Setup gehören unter anderem ein rund 40 Meter langer Schlauch sowie ein Schnellwechselsystem für unterschiedliche Düsen.

Drohnenjournal: Was hat dich bei deinen ersten Tests besonders überrascht?

André Willer: Vor allem die tatsächliche Reinigungsleistung.

Wir haben mit unterschiedlichen Düsen gearbeitet. Ich hätte vorher nicht erwartet, dass man schon aus mehreren Metern Entfernung eine so deutliche Wirkung erzielen kann.

Je nach System und Wasserversorgung wurden ungefähr 100 bis 120 bar eingesetzt. Grundsätzlich kann das System noch mit höherem Druck betrieben werden.

Das war schon beeindruckend.

Auch die Flugzeit hat mich überrascht. Ich hätte erwartet, dass der Schlauch und der Gegendruck die Flugzeit wesentlich stärker beeinflussen.

Bei unserem Test waren wir insgesamt sehr lange in der Luft.

Drohnenreinigung ersetzt nicht automatisch jedes bestehende Verfahren

Für Willer bedeutet der Einsatz einer Reinigungsdrohne allerdings nicht, dass klassische Verfahren verschwinden.

André Willer: Eine Drohne wird nicht für jede Reinigung automatisch das beste Werkzeug sein.

Es wird Bereiche geben, in denen sie extrem unterstützen kann. Bei anderen Verschmutzungen ist möglicherweise weiterhin eine Bürste oder eine andere klassische Methode besser.

Aber wenn man die notwendige Ausbildung, die entsprechende Genehmigung und Erfahrung mit dem System hat, eröffnet die Technik neue Möglichkeiten.

Und wer weiß: Vielleicht sitzen wir in drei Jahren wieder hier und die Drohne trägt zusätzlich eine Bürste.

Genehmigungen und Ausbildung: „Im Internet bekommt man erstmal einen Burnout“

Drohnenjournal: Gerade bei größeren Drohnen schrecken viele Interessierte vor den rechtlichen Anforderungen zurück.

André Willer: Wenn man anfängt, sich im Internet selbst durch alle Vorschriften zu arbeiten, wirkt das zunächst enorm kompliziert.

Bei großen Systemen geht es eben nicht nur darum, eine Drohne zu kaufen. Man braucht die passende Ausbildung, muss die rechtlichen Voraussetzungen kennen und seinen Betrieb professionell planen.

Genau deshalb fand ich die Ausbildung so interessant.

Wir sind sehr detailliert durch Fragen gegangen wie: Wo darf ich fliegen? Wo darf ich nicht fliegen? Was muss ich in bebauten Bereichen absperren? Wen muss ich informieren? Wie plane ich einen Einsatz?

Solche Dinge machen einen am Ende auch zu einem professionelleren Piloten.

Warum BOS-Drohnen besondere Anforderungen stellen

Bei Feuerwehr, Polizei, THW und anderen BOS kommen zusätzliche Faktoren hinzu. Einsätze lassen sich nicht nach optimalem Wetter oder komfortablen Bedingungen planen.

Drohnenjournal: Du kennst diesen Bereich aus eigener Erfahrung. Warum unterscheidet sich ein BOS-Drohneneinsatz von vielen kommerziellen Einsätzen?

André Willer: Bei einer Behörde kann man sich das Wetter eben nicht aussuchen.

Ein normaler Dienstleister kann möglicherweise sagen: Heute regnet es, also fliege ich morgen. Feuerwehr und andere Einsatzorganisationen können das nicht.

Wenn eine Person gesucht wird oder eine größere Lage läuft, muss die Technik funktionieren.

Deshalb spielt beispielsweise auch die Wetterfestigkeit eines Systems eine andere Rolle.

Und vor allem ist der Support entscheidend.

„Im BOS-Bereich muss es schnell gehen“

Für Willer zählt beim Kauf professioneller Drohnentechnik deshalb nicht allein der niedrigste Preis.

André Willer: Gerade im behördlichen Bereich ist für mich das Gesamtpaket wichtig.

Es geht nicht darum, irgendwo noch 100 Euro zu sparen. Es geht um Service, Ersatzgeräte und Verfügbarkeit.

Bei einer Personensuche oder einem anderen zeitkritischen Einsatz muss es schnell gehen.

Ich hatte selbst schon einmal einen Schaden an einem Rotorblatt und benötigte kurzfristig Ersatz. In solchen Situationen merkt man, wie wichtig ein funktionierendes Netzwerk und ein erreichbarer Ansprechpartner sind.

Das ist für mich wesentlich wichtiger als einfach nur: kaufen, bezahlen und danach ist niemand mehr erreichbar.

FeuerwehrWilli: Erfahrung aus THW, Feuerwehr und Ausbildung

Drohnenjournal: Du wirkst inzwischen selbst an Schulungsinhalten für BOS-Drohnen mit. Woher kommt deine Erfahrung?

André Willer: Ich war sieben Jahre beim THW und zwölf Jahre Wehrleiter bei der Feuerwehr.

Seit rund zehn Jahren bin ich außerdem in der Grundausbildung tätig und arbeite im Stab bei größeren Einsatzlagen.

Über die Jahre erlebt man entsprechend einiges und baut Erfahrung auf.

Beim Thema BOS-Drohnen finde ich gerade die Kombination wichtig: Auf der einen Seite braucht man das Wissen über Drohnentechnik und Flugverfahren, auf der anderen Seite muss man verstehen, wie Feuerwehr und andere Einsatzorganisationen tatsächlich arbeiten.

Theorie allein reicht bei Einsatzdrohnen nicht

Gerade deshalb hält Willer praxisnahe Schulungen für entscheidend.

Nicht nur Flugmanöver spielen dabei eine Rolle. Piloten müssen Dokumentation, Einsatzplanung, Absperrmaßnahmen, Risikobewertungen und mögliche Kontrollen kennen.

André Willer: Ich fand besonders gut, dass nicht nur Theorie vermittelt wurde.

Es ging auch um Erfahrungen aus der Praxis: Wie verhalte ich mich beispielsweise bei einer Kontrolle? Welche Unterlagen sollte ich dabei haben? Wie bereite ich einen Einsatz sauber vor?

Wenn alles ordentlich dokumentiert ist, kann man bei einer Kontrolle auch ganz entspannt sagen: Bitte, schaut euch die Unterlagen an.

Das gehört für mich zu professioneller Drohnenarbeit dazu.

Matrice 4TD und Matrice 400 als Kombination

Interessant ist für Willer besonders das Zusammenspiel unterschiedlicher Drohnenplattformen.

Die DJI Matrice 400 übernimmt dabei Aufgaben, bei denen hohe Nutzlast oder ein größeres System erforderlich ist. Eine kompaktere Enterprise-Drohne wie die Matrice 4TD kann dagegen beispielsweise für Wärmebildaufnahmen, Inspektionen oder Dokumentationsflüge eingesetzt werden.

Drohnenjournal: Welche Rolle spielt dabei die Thermografie?

André Willer: Das ist ein Bereich, in dem ich noch weiter lernen und üben möchte.

Aber grundsätzlich finde ich die Kombination sehr interessant.

Bei einer Fassade kann man beispielsweise vor einer Reinigung dokumentieren, wie der Zustand aussieht. Mit Wärmebildtechnik können Auffälligkeiten sichtbar werden.

Damit lässt sich möglicherweise schon vor Beginn einer Arbeit dokumentieren, dass bestimmte Probleme vorhanden waren.

Das ist nicht nur technisch interessant, sondern kann später auch bei der Dokumentation eines Auftrags wichtig sein.

Drohnen bei Photovoltaik, Dach und Fassaden

Damit verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen klassischem Drohneneinsatz und spezialisierter Dienstleistung.

Eine Wärmebilddrohne kann beispielsweise eine Photovoltaikanlage inspizieren. Ein größeres System übernimmt anschließend bestimmte Arbeiten an schwer erreichbaren Stellen.

Für Willer steckt darin erhebliches Potenzial.

André Willer: Man kann vor einem Auftrag Bilder aufnehmen und dokumentieren, wie die Anlage oder Fassade aussieht. Anschließend dokumentiert man das Ergebnis.

Gerade Photovoltaikanlagen werden immer häufiger. Deshalb glaube ich, dass die Nachfrage nach entsprechenden Dienstleistungen eher steigen wird.

Für Menschen, die sich beruflich neu orientieren oder einen zusätzlichen Geschäftsbereich suchen, finde ich das sehr spannend.

Sicherheit bleibt der entscheidende Faktor

So faszinierend große Drohnensysteme sind: Mit steigender Größe und Nutzlast steigt auch die Verantwortung des Piloten.

André Willer: Bei solchen Systemen bewegen wir uns nicht mehr im Spielzeugbereich.

Wenn eine schwere Drohne abstürzt, kann das ernsthafte Folgen haben.

Deshalb würde ich hier niemals nur danach schauen, möglichst billig einzukaufen. Ausbildung, Technik, Wartung und professioneller Support gehören für mich zusammen.

Das gilt bei kommerziellen Einsätzen – und im BOS-Bereich erst recht.

Wohin entwickeln sich Feuerwehrdrohnen?

Das Gespräch mit André Willer zeigt vor allem eines: Das Einsatzspektrum professioneller Drohnen wird immer breiter.

Bei Feuerwehren und Hilfsorganisationen gehören Luftbilder, Lageerkundung und Wärmebildtechnik bereits zu den naheliegenden Anwendungsfällen. Gleichzeitig entstehen neue Plattformen mit größerer Nutzlast, längeren Flugzeiten und unterschiedlichen Payloads.

Daraus können zusätzliche Einsatzmöglichkeiten entstehen – von Inspektionen über Vermessung bis hin zu spezialisierten Arbeiten an Gebäuden.

Für Willer steht dabei nicht allein die Drohne im Mittelpunkt.

Entscheidend ist das Gesamtsystem aus Technik, Pilot, Ausbildung, Genehmigung, Einsatzplanung und Support.

Oder anders gesagt: Eine professionelle Drohne ist nur so gut wie das Konzept, mit dem sie eingesetzt wird.

Über André Willer alias FeuerwehrWilli

André Willer, bekannt als FeuerwehrWilli, beschäftigt sich mit Feuerwehr, Katastrophenschutz, BOS und moderner Einsatztechnik. Er verfügt über langjährige Erfahrung bei Feuerwehr und THW und engagiert sich unter anderem in Ausbildung und Wissensvermittlung.

Einen besonderen Schwerpunkt bilden inzwischen professionelle Drohnen und deren Einsatzmöglichkeiten bei Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.

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