40.000 Hektar per Wärmebilddrohne: Alexander Mohr über eine Wildzählung neuen Maßstabs

Wie lässt sich der Wildbestand auf Zehntausenden Hektar möglichst systematisch erfassen? Alexander Mohr und sein Team haben in der Eifel eine großflächige Rotwildzählung mit Wärmebilddrohnen durchgeführt. Rund 40.000 Hektar wurden innerhalb von zwei Nächten von mehreren Piloten parallel beflogen. Im Interview erklärt Mohr, wie ein solches Projekt geplant wird, warum nachts geflogen wird und weshalb bei einer professionellen Wildzählung nicht der Flug, sondern die Qualität der Daten entscheidet.

Wildbestände möglichst genau zu erfassen, ist für Jagd, Forstwirtschaft und behördliche Planung eine anspruchsvolle Aufgabe.

Gerade bei Rotwild reichen klassische Sichtbeobachtungen schnell an Grenzen.

Dichte Waldflächen, große Reviere und bewegliche Rudel machen eine flächendeckende Erfassung schwierig.

Wärmebilddrohnen eröffnen hier neue Möglichkeiten.

Wie weit sich dieses Prinzip skalieren lässt, wollte Alexander Mohr mit seinem Team in der Eifel zeigen.

Das Ergebnis war ein außergewöhnlich großes Projekt:

Rund 40.000 Hektar Fläche wurden mit mehreren Wärmebilddrohnen systematisch auf Rotwild untersucht.

Warum zählt man Wild überhaupt?

Drohnenjournal: Alexander, bevor wir über 40.000 Hektar sprechen: Warum werden solche Wildzählungen überhaupt durchgeführt?

Alexander Mohr: Am Ende geht es darum, eine möglichst belastbare Grundlage für Entscheidungen zu bekommen.

Wildzählungen können beispielsweise von Gemeinden, Hegegemeinschaften oder anderen Institutionen beauftragt werden.

Man möchte wissen, wie hoch der Bestand tatsächlich ist.

Diese Zahlen können dann unter anderem für die Abschussplanung und für das Wildtiermanagement genutzt werden.

Dabei geht es nicht einfach darum, möglichst viel Wild zu reduzieren.

Das Ziel ist ein vernünftiges Verhältnis zwischen Wildbestand, Waldentwicklung und landwirtschaftlichen Interessen.

Warum Wärmebilddrohnen?

Klassische Wildzählungen sind mit mehreren Herausforderungen verbunden.

Tiere stehen nicht immer offen sichtbar auf einer Fläche.

Sie bewegen sich.

Sie stehen teilweise im Wald.

Und sie können während einer Zählung von einem Gebiet ins nächste wechseln.

Drohnenjournal: Wo liegt der Vorteil der Wärmebilddrohne?

Alexander Mohr: Der große Vorteil ist, dass wir das Wärmebild live sehen.

Wenn wir eine Wärmequelle erkennen, können wir anhalten und unsere Position oder den Kamerawinkel verändern.

Dadurch können wir auch Tiere erkennen, die teilweise durch Vegetation verdeckt stehen.

Bei einer festen Kamera oder einer reinen Befahrung ist diese Flexibilität deutlich geringer.

Zusätzlich können wir GPS-Koordinaten setzen und die Beobachtung direkt dokumentieren.

40.000 Hektar als eine zusammenhängende Aufgabe

Der konkrete Auftrag kam laut Mohr aus dem Umfeld mehrerer Rotwild-Hegegemeinschaften.

Vier Hegegemeinschaften beziehungsweise mehrere beteiligte Gemeinden wollten ihren Bestand großflächig erfassen lassen.

Die Zielgröße:

rund 40.000 Hektar zusammenhängende Fläche.

Alexander Mohr: Uns war schnell klar, dass das kein Projekt für einen einzelnen Piloten ist.

Wir mussten mehrere Piloten gleichzeitig einsetzen und das gesamte Gebiet in klar definierte Teilflächen zerlegen.

Nur so konnten wir die Fläche in möglichst kurzer Zeit erfassen und verhindern, dass Tiere zwischen den Gebieten mehrfach gezählt werden.

Warum der März für die Wildzählung interessant ist

Auch der Zeitraum wurde bewusst gewählt.

Die Befliegung fand Anfang März statt.

Drohnenjournal: Warum gerade zu diesem Zeitpunkt?

Alexander Mohr: Für unsere Aufgabenstellung war der März sehr gut geeignet.

Die Jagdzeit beziehungsweise die zugrunde gelegten Abschusszeiträume waren abgeschlossen und gleichzeitig war noch wenig Laub an den Bäumen.

Außerdem lagen die Temperaturen noch niedrig.

Das ist für das Wärmebild wichtig.

Wenn Boden, Steine oder Vegetation tagsüber stark aufgeheizt sind, entstehen viele zusätzliche Wärmequellen.

Je größer der thermische Unterschied zwischen Tier und Umgebung, desto leichter lässt sich Wild erkennen.

Deshalb wird nachts geflogen

Die Einsätze fanden überwiegend nachts statt.

Das hat zwei wesentliche Gründe.

Zum einen kühlt die Umgebung ab.

Zum anderen ist Wild nachts beziehungsweise in der Dämmerung häufig aktiver.

Alexander Mohr: Wir können das Wetter Wochen im Voraus nicht exakt planen.

Wenn wir tagsüber nach einem sonnigen Tag fliegen, können sich Steine, Wege oder andere Flächen stark erwärmen.

Das erschwert das Wärmebild.

Nachts bekommen wir in der Regel deutlich bessere thermische Bedingungen.

Gleichzeitig bewegt sich das Wild stärker.

Für unsere Art der Zählung ist das ideal.

Planung statt einfach losfliegen

Bei 40.000 Hektar beginnt die eigentliche Arbeit lange vor dem ersten Start.

Flächen müssen digital vorbereitet werden.

Genehmigungen müssen vorliegen.

Startpunkte werden geplant.

Piloten erhalten klar definierte Sektoren.

Und jeder Teilnehmer muss wissen, wie Beobachtungen dokumentiert werden.

Alexander Mohr: Die Planung ist das A und O.

Wenn man bei so einem Projekt einen Bereich vergisst, kann man hinterher nicht einfach sagen: Dann zählen wir ihn irgendwann später.

Dann sind die Bedingungen andere und das Wild hat sich längst bewegt.

Deshalb müssen Flächen, Grenzen, Startpunkte und Abläufe vorher genau feststehen.

Zehn bis zwölf Piloten gleichzeitig

Für die Befliegung wurde das Gesamtgebiet in zahlreiche Teilflächen aufgeteilt.

Die Piloten arbeiteten parallel.

Als Managementplattform kam DJI FlightHub zum Einsatz.

Jeder Pilot erhielt seinen eigenen Bereich und definierte Startpunkte.

Alexander Mohr: Jeder konnte auf seiner Fernsteuerung sehen, welchen Bereich er abfliegen musste.

Die Startpunkte ließen sich direkt übernehmen.

Sobald jemand eine GPS-Koordinate setzte und wieder Internetverbindung hatte, wurden die Daten synchronisiert.

Damit konnten auch benachbarte Piloten sehen, wo bereits Wild erfasst worden war.

Wie man Doppelzählungen reduziert

Genau diese Synchronisation war für das Projekt besonders wichtig.

Rotwild bleibt während einer mehrstündigen Befliegung nicht zwangsläufig an derselben Stelle.

Ein Rudel kann eine Gebietsgrenze überqueren.

Alexander Mohr: Wenn beispielsweise ein Pilot an der Grenze ein Rudel mit 60 Tieren sieht und der Pilot im Nachbargebiet kurze Zeit später ein Rudel mit derselben Größenordnung erfasst, können wir das miteinander abgleichen.

Dadurch lassen sich mögliche Doppelzählungen deutlich besser erkennen.

Je schneller benachbarte Flächen hintereinander beziehungsweise parallel bearbeitet werden, desto besser funktioniert das.

Der erste Abend: 16.000 Hektar geplant

Für die erste Nacht war zunächst ein Gebiet von rund 16.000 Hektar vorgesehen.

Davon bestand ungefähr die Hälfte aus Wald, die andere Hälfte aus Freiflächen.

Drohnenjournal: Mit welcher Dauer hattest du gerechnet?

Alexander Mohr: Ich war ehrlich gesagt zufrieden gewesen, wenn wir diese erste Fläche in einer Nacht geschafft hätten.

Das war für uns selbst ein Proof of Concept.

Wir wussten vorher nicht genau, welche reale Flächenleistung mit so vielen Piloten möglich sein würde.

16.000 Hektar in etwa fünf Stunden

Die Bedingungen waren günstig.

Kaum Wind.

Kein Nebel.

Gute thermische Bedingungen.

Das Team kam schneller voran als geplant.

Alexander Mohr: Nach ungefähr fünf Stunden waren die 16.000 Hektar abgearbeitet.

Damit hatte ich nicht gerechnet.

Dann standen wir plötzlich vor der Frage: Hören wir auf oder nutzen wir die guten Bedingungen?

Wir haben uns entschieden weiterzumachen.

Rund 25.000 Hektar in einer Nacht

Noch in derselben Nacht wurde deshalb ein weiteres Gebiet begonnen.

Nach Angaben Mohrs kamen am ersten Einsatztag insgesamt ungefähr 25.000 Hektar zusammen.

Die Einsatzdauer lag bei rund acht bis achteinhalb Stunden.

Alexander Mohr: Das war der Moment, in dem wir gemerkt haben, dass sich eine solche Methode tatsächlich skalieren lässt.

Natürlich braucht man dafür sehr gute Piloten und eine saubere Organisation.

Aber plötzlich waren Flächenleistungen möglich, die ich vorher selbst nur schwer einschätzen konnte.

Warum die Pilotenqualität entscheidend ist

Bei einem Projekt dieser Größe können kleine Fehler große Folgen haben.

Ein Pilot, der seine Flugbahnen nicht sauber dokumentiert oder GPS-Punkte falsch setzt, erzeugt später Lücken in der Auswertung.

Alexander Mohr: Jeder muss konzentriert arbeiten.

Es reicht nicht, einfach irgendwie über den Wald zu fliegen.

Man sollte systematisch Linien fliegen und hinterher nachvollziehen können, welche Bereiche tatsächlich kontrolliert wurden.

Nur so kann man guten Gewissens sagen: Diese Fläche wurde vollständig untersucht.

DJI Matrice 4TD als Wärmebildplattform

Geflogen wurde unter anderem mit der DJI Matrice 4TD.

Gerade ihre Kombination aus Wärmebild-, optischen und Nachtfunktionen spielte bei der Rotwildzählung eine zentrale Rolle.

Alexander Mohr: Mit dem Wärmebild finden wir zunächst das Tier beziehungsweise das Rudel.

Dann können wir mit der optischen beziehungsweise Nachtsichtkamera genauer hinschauen.

Das ist wichtig, weil wir nicht nur wissen wollten, dass dort Rotwild steht.

Soweit möglich wollten wir auch Alters- und Geschlechterstrukturen unterscheiden.

Finden ist nicht gleich Ansprechen

Damit zeigt sich eine wesentliche Grenze reiner Wärmebilder.

Ein heller Punkt ist zunächst nur eine Wärmequelle.

Er muss identifiziert werden.

Alexander Mohr: Mit etwas Erfahrung kann man Rotwild relativ gut von Rehwild unterscheiden.

Rotwild steht häufig auch in größeren Rudeln.

Aber wenn man genauer wissen möchte, ob es sich beispielsweise um einen Hirsch, ein Alttier oder ein Kalb handelt, muss man deutlich genauer hinschauen.

Dafür reicht das reine Wärmebild nicht immer.

Regen, Nebel und reale Einsatzbedingungen

Am zweiten Einsatztag waren die Bedingungen schwieriger.

Es regnete zeitweise und später zog Nebel auf.

Trotzdem konnte die Befliegung fortgesetzt werden.

Alexander Mohr: Genau dafür ist professionelle Technik wichtig.

Wir hatten Systeme dabei, mit denen wir auch bei Regen arbeiten konnten.

Wenn die Bildqualität durch Wetter oder Feuchtigkeit zu schlecht geworden wäre, hätten wir natürlich unterbrechen müssen.

Aber grundsätzlich konnten wir weiterfliegen.

Weitere 12.000 Hektar am zweiten Tag

Für den zweiten Einsatztag waren etwa 11.000 bis 12.000 Hektar vorgesehen.

Diesmal arbeiteten rund neun Piloten parallel.

Nach ungefähr sechs Stunden waren auch diese Flächen abgearbeitet.

Damit war das Gesamtgebiet von rund 40.000 Hektar innerhalb von zwei Nächten beflogen.

Tausende GPS-Punkte und große Datenmengen

Mit dem letzten Flug war der Auftrag allerdings längst nicht abgeschlossen.

Danach begann die eigentliche Datenarbeit.

Drohnenjournal: Was passiert nach einer solchen Befliegung?

Alexander Mohr: Sehr viel.

Wir müssen zunächst die Flugbahnen prüfen.

Wurde wirklich jeder Bereich erfasst?

Gibt es irgendwo Lücken?

Dann schauen wir die GPS-Koordinaten, Bilder und Videos an.

Die Daten müssen anschließend den einzelnen Gemeinden beziehungsweise Teilgebieten zugeordnet werden.

Jede Gemeinde bekommt ihre eigene Auswertung

Nach Mohrs Angaben waren insgesamt acht Gemeinden beziehungsweise entsprechende Teilbereiche in die Auswertung eingebunden.

Für jede wurden separate Datensätze erstellt.

Dazu gehörten unter anderem:

Koordinaten, Tierart, Anzahl, soweit möglich Alters- beziehungsweise Geschlechterstruktur, Kartenmaterial sowie die entsprechenden KML-Daten.

Alexander Mohr: Die Auftraggeber wollen am Ende nicht unsere Flugstunden sehen.

Sie wollen Zahlen.

Sie wollen wissen, wo Tiere standen, wie viele es waren und wie sich der Bestand strukturiert.

Deshalb ist die Auswertung mindestens genauso wichtig wie das Fliegen.

Von der Drohnenmission zum Datenprojekt

Das Projekt zeigt damit sehr deutlich, dass großflächige Wildzählung im Kern ein Datenprojekt ist.

Die Drohne ist das Werkzeug zur Datenerhebung.

FlightHub beziehungsweise vergleichbare Plattformen übernehmen Organisation und Synchronisation.

Der wirtschaftliche beziehungsweise fachliche Wert entsteht schließlich in der Auswertung.

Wie schnell kann ausgewertet werden?

Nach Ende der Befliegung begann das Team unmittelbar mit der Datenaufbereitung.

Alexander Mohr: Wir waren mittwochs morgens mit der Befliegung fertig.

Am Donnerstag waren die ersten Auswertungsberichte fertig.

Bis Freitag hatten wir die Berichte inklusive Bild- und Videomaterial zusammengestellt und verschickt.

Das war natürlich sehr viel Arbeit.

Aber bei einem solchen Auftrag möchten die Auftraggeber auch möglichst schnell Ergebnisse sehen.

Mehrere Tausend Stück Rotwild erfasst

Im Verlauf der Zählung wurden nach Angaben des Projektteams mehrere Tausend Stück Rotwild beziehungsweise zahlreiche Rudel registriert und mehrere Tausend GPS-Punkte angelegt.

Konkrete Gesamtergebnisse wurden im Video bewusst nicht veröffentlicht.

Diese sollten zunächst mit den beteiligten Auftraggebern abgestimmt beziehungsweise separat bekannt gegeben werden.

War es die größte Wildzählung mit Drohnen?

Mohr bezeichnet das Projekt als die ihm bekannte größte zusammenhängende Wildzählung dieser Art mit Wärmebilddrohnen.

Diese Einordnung sollte journalistisch mit Vorsicht behandelt werden.

Eine allgemein anerkannte internationale Datenbank, anhand derer sich ein solcher Rekord eindeutig verifizieren ließe, existiert nicht.

Bemerkenswert ist die Dimension dennoch:

40.000 Hektar, mehrere parallel arbeitende Piloten und eine weitgehend synchronisierte Datenerfassung innerhalb von zwei Nächten.

„Ich hatte vorher schlaflose Nächte“

Drohnenjournal: Du wirkst im Video nach Abschluss ziemlich erleichtert. Wie groß war das Risiko aus deiner Sicht?

Alexander Mohr: Sehr groß.

Ich hatte vorher wirklich schlaflose Nächte.

Nicht unbedingt, weil ich dachte, dass die Technik grundsätzlich nicht funktioniert.

Aber wir hatten bei dieser Größenordnung viele Unsicherheiten.

Hält das Wetter?

Schaffen die Piloten die Fläche?

Funktioniert die Synchronisation?

Gibt es technische Probleme?

Haben wir irgendwo Flächen, die wir nicht vernünftig erreichen?

Das war alles vorher schwer einzuschätzen.

Professionelle Planung heißt auch, Sorgen ernst zu nehmen

Für Mohr gehört genau diese Unsicherheit zum professionellen Projektmanagement.

Alexander Mohr: Wenn man sich bei einem solchen Projekt überhaupt keine Gedanken macht, ist das eher gefährlich.

Man sollte sich vorher fragen, was schiefgehen kann.

Dadurch plant man Backup-Lösungen.

Wir hatten zusätzliche Drohnen, unterschiedliche Fahrzeuge und sogar Möglichkeiten zur Bergung dabei.

Am Ende braucht man diese Reserven vielleicht nicht.

Aber man sollte sie haben.

Genehmigungen sind mehr als Luftrecht

Bei einer großflächigen Wildzählung müssen nicht nur klassische Flugregeln beachtet werden.

Auch Zufahrten und Schutzgebiete spielen eine Rolle.

Alexander Mohr: Nachtflug innerhalb der entsprechenden Rahmenbedingungen ist nur ein Teil.

Wir mussten beispielsweise klären, welche Wirtschafts- und Forstwege befahren werden dürfen.

Bei Naturschutzflächen können zusätzliche Abstimmungen mit Behörden notwendig sein.

In unserem Gebiet gab es außerdem einen Truppenübungsplatz.

Auch solche Stellen müssen in die Planung einbezogen werden.

Warum nicht alles autonom fliegen?

Bei 40.000 Hektar liegt die Frage nahe:

Warum werden keine vollständig automatisierten Rastermissionen eingesetzt?

Die Antwort liegt in der Art der Aufgabe.

Wild bewegt sich.

Es steht teilweise verdeckt.

Ein erfahrener Pilot kann spontan reagieren.

Er kann den Kamerawinkel verändern, näher hinschauen und eine potenzielle Sichtung genauer überprüfen.

Damit bleibt der Mensch trotz zunehmender Automatisierung ein wichtiger Teil des Systems.

Ist Wärmebildzählung exakt?

Auch eine Wärmebilddrohne liefert keine mathematisch perfekte Wildbestandszahl.

Tiere können verdeckt sein.

Sie können sich bewegen.

Vegetation und Gelände beeinflussen die Sicht.

Und die Ansprache einzelner Tiere kann schwierig sein.

Der große Vorteil liegt deshalb weniger in einer behaupteten hundertprozentigen Erfassung als in einer systematischen, dokumentierbaren und reproduzierbaren Methode.

Ein neues Geschäftsfeld für Drohnendienstleister?

Für Mohr ist genau das einer der spannendsten Aspekte.

Drohnenjournal: Ist Wildzählung aus deiner Sicht ein Markt für professionelle Drohnendienstleister?

Alexander Mohr: Ich glaube ja.

Das Projekt hat für uns gezeigt, dass nicht nur kleine Reviere möglich sind.

Auch sehr große Gebiete lassen sich bearbeiten, wenn man Planung, Technik und Personal zusammenbringt.

Damit entstehen natürlich neue Möglichkeiten für Dienstleister.

Aber man darf das Thema nicht unterschätzen.

Wild finden und eine professionelle Wildzählung durchführen sind zwei unterschiedliche Dinge.

Fachwissen wird wichtiger als die Drohne

Wer Wildzählungen professionell anbieten möchte, braucht daher mehrere Kompetenzen gleichzeitig.

Dazu gehören:

Drohnenflug, Wärmebildinterpretation, Kenntnisse über Wildarten, systematische Flugplanung, Datenmanagement und die Fähigkeit, Ergebnisse verständlich aufzubereiten.

Je größer der Auftrag, desto wichtiger werden zusätzlich Teamkoordination und Projektmanagement.

Vom Einzelpiloten zum Drohnenteam

Genau darin liegt eine der interessantesten Erkenntnisse aus dem Eifel-Projekt.

Professionelle Drohnendienstleistungen entwickeln sich zunehmend von einzelnen Piloten zu arbeitsteiligen Teams.

Zehn Piloten können nicht einfach unabhängig voneinander fliegen.

Sie benötigen gemeinsame Datenstandards und abgestimmte Prozesse.

Damit nähert sich großflächige Drohnenerfassung zunehmend klassischen Vermessungs- oder Luftfahrtprojekten an.

Skalierung braucht Standards

Alexander Mohr: Das Entscheidende war nicht, dass wir zehn oder zwölf Drohnen hatten.

Entscheidend war, dass alle nach demselben Schema gearbeitet haben.

Jeder musste wissen, wie GPS-Punkte gesetzt werden.

Jeder musste seine Fläche sauber dokumentieren.

Und jeder musste verstehen, welche Daten wir am Ende benötigen.

Nur deshalb konnten wir anschließend alles zusammenführen.

Was das Projekt für die Zukunft zeigt

Die Eifel-Zählung liefert einen interessanten Proof of Concept für ein noch junges Einsatzfeld.

Wärmebilddrohnen werden seit Jahren für Kitzrettung, Tiersuche und kleinere Wildzählungen eingesetzt.

Das Projekt zeigt, dass sich die Methode mit ausreichend Personal und digitaler Koordination auch auf deutlich größere Gebiete übertragen lässt.

Für Gemeinden, Hegegemeinschaften und wissenschaftliche Einrichtungen könnte daraus ein zusätzliches Werkzeug entstehen.

Fazit: Wildzählung wird zur Datenlogistik

Das vielleicht wichtigste Ergebnis des Projekts lautet deshalb nicht:

Eine Drohne kann Rotwild finden.

Das ist längst bekannt.

Interessanter ist:

Viele Drohnen können gemeinsam große Gebiete nach einem einheitlichen Verfahren erfassen und ihre Ergebnisse zu einem gemeinsamen Datensatz zusammenführen.

Genau dort beginnt der nächste Entwicklungsschritt professioneller Drohnenanwendungen.

Nicht die einzelne Kamera entscheidet über den Erfolg.

Sondern die Kombination aus Sensorik, Piloten, Flugplanung, Datenplattform, Wildbiologie und Auswertung.

Über Alexander Mohr

Alexander Mohr ist Geschäftsführer von CopterPro und beschäftigt sich professionell mit Drohnentechnik, Schulung und Drohnendienstleistungen.

Als Drohnen- und Berufshubschrauberpilot arbeitet er mit unterschiedlichen Enterprise-Systemen und beschäftigt sich unter anderem mit Wärmebildanwendungen, Wildtiermonitoring, BOS-Anwendungen und professionellen Drohnenprojekten.

Bei der großflächigen Rotwildzählung in der Eifel übernahm Mohr nach eigener Darstellung insbesondere Planung, Organisation und operative Koordination des Projekts.

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