Kann eine Transportdrohne einen Hubschrauber ersetzen?

Kann eine moderne Transportdrohne Aufgaben übernehmen, für die bisher ein Hubschrauber eingesetzt wurde? Mit dieser Frage hat sich die CopterPro GmbH intensiv beschäftigt. Besonders die Entwicklung moderner Schwerlastdrohnen wie der DJI FlyCart 100 zeigt, dass sich beim Transport von Material aus der Luft derzeit einiges verändert.

Die Redaktion des Drohnenjournal hat das Thema gemeinsam mit CopterPro genauer betrachtet und sich angesehen, wo die tatsächlichen Einsatzmöglichkeiten liegen – und wo die Grenzen moderner Transportdrohnen beginnen.

„Die spannende Frage ist nicht, ob eine Drohne einen Hubschrauber grundsätzlich ersetzen kann. Entscheidend ist vielmehr, für welche Transportaufgabe welches System die bessere Lösung darstellt.“
– CopterPro GmbH

Bis zu 100 Kilogramm Nutzlast: Was kann die FlyCart 100?

Mit der DJI FlyCart 100 hat DJI eine Transportdrohne auf den Markt gebracht, die je nach Konfiguration Nutzlasten von bis zu 100 Kilogramm transportieren kann.

Damit wird die Technik auch für professionelle Transportaufgaben interessant, bei denen bisher andere Lösungen zum Einsatz kamen.

Mögliche Einsatzbereiche sind unter anderem:

  • Materialtransport im Forst
  • Versorgung abgelegener Baustellen
  • Transport von Werkzeug und Ausrüstung
  • Infrastruktur- und Wartungsarbeiten
  • Versorgung schwer erreichbarer Arbeitsplätze
  • bestimmte Rettungs- und Katastropheneinsätze
  • Transporte in unwegsamem Gelände

Gerade der letzte Punkt ist entscheidend.

„Bei vielen Transportaufgaben ist nicht die Entfernung das größte Problem, sondern der Weg zum Ziel. Wenn Fahrzeuge nicht mehr weiterkommen, kann der direkte Weg durch die Luft einen erheblichen Vorteil bieten.“
– CopterPro GmbH

Redaktion Drohnenjournal

Unsere Einschätzung: Genau hier liegt eine der interessantesten Stärken moderner Transportdrohnen. Sie müssen nicht zwingend einen Hubschrauber in dessen klassischem Einsatzgebiet ersetzen. Vielmehr können sie dort interessant werden, wo eine vergleichsweise kleine Last über schwieriges Gelände transportiert werden muss.

Transportdrohne oder Hubschrauber?

Der Vergleich zwischen einer Transportdrohne und einem Hubschrauber ist allerdings nicht ganz einfach.

Hubschrauber verfügen über deutlich andere Leistungsreserven und können – abhängig vom Modell – wesentlich größere Lasten über größere Entfernungen transportieren. Auch komplexe Außenlastflüge gehören zu ihren klassischen Einsatzgebieten.

Die Transportdrohne verfolgt dagegen einen anderen Ansatz.

Sie ist unbemannt und kann gezielt für einzelne Transportaufgaben eingesetzt werden.

„Wir sehen die Transportdrohne nicht als direkten Ersatz für den Hubschrauber. Sie ist vielmehr ein zusätzliches Werkzeug für bestimmte Transportaufgaben.“
– CopterPro GmbH

Redaktion Drohnenjournal

Unsere Einschätzung: Der Begriff „Hubschrauber-Ersatz“ ist deshalb etwas irreführend. Interessanter ist die Frage, welche Aufgaben sich vom Hubschrauber auf eine Drohne verlagern lassen.

Wenn die Straße zum Problem wird

Ein gutes Beispiel ist der Transport im Forst.

Werkzeug, Ersatzteile oder Material müssen teilweise an Arbeitsplätze gebracht werden, die mit Fahrzeugen nur schwer erreichbar sind. Statt lange Umwege zu fahren oder Material über größere Strecken von Hand zu transportieren, kann eine Lastendrohne den direkten Luftweg nutzen.

Das kann insbesondere bei wiederkehrenden Transporten interessant sein.

„Gerade im Forst sehen wir großes Potenzial. Wenn Material regelmäßig an schwer erreichbare Stellen gebracht werden muss, kann die Drohne eine interessante Ergänzung zur bisherigen Logistik sein.“
– CopterPro GmbH

Redaktion Drohnenjournal

Unsere Einschätzung: Der entscheidende Vorteil ist dabei nicht unbedingt die maximale Geschwindigkeit. Vielmehr kann die Drohne einen Transportweg komplett umgehen.

Ein Fahrzeug muss sich an Wege, Straßen und Gelände anpassen. Eine Drohne benötigt diese Infrastruktur nicht auf dieselbe Weise.

100 Kilogramm Nutzlast bedeuten nicht 100 Kilogramm in jedem Einsatz

Bei der Diskussion um Schwerlastdrohnen darf allerdings ein Punkt nicht vergessen werden: Die technisch mögliche Nutzlast ist nicht automatisch die in jedem Szenario zulässige Nutzlast.

Auch Flugdistanz, Wetter, Akkureserven, Start- und Landeplatz sowie die jeweiligen rechtlichen Rahmenbedingungen spielen eine Rolle.

Bei professionellen Transportflügen muss deshalb immer der konkrete Einsatz betrachtet werden.

„Die maximale Nutzlast ist nur eine technische Kennzahl. Für die Praxis müssen wir immer das komplette Einsatzszenario betrachten.“
– CopterPro GmbH

Redaktion Drohnenjournal

Unsere Einschätzung: Genau diese Unterscheidung ist bei der Bewertung von Schwerlastdrohnen wichtig. Ein Datenblatt kann zeigen, was technisch möglich ist. Ob ein Transport in der Praxis sinnvoll und rechtlich zulässig ist, entscheidet sich jedoch erst bei der konkreten Einsatzplanung.

Wo der Hubschrauber weiterhin überlegen ist

Trotz der Entwicklung bei Transportdrohnen bleiben Hubschrauber für viele Aufgaben unverzichtbar.

Dazu gehören beispielsweise Transporte mit sehr hohen Lasten, größere Entfernungen oder komplexe Außenlastflüge.

Auch die Möglichkeit, einen Piloten unmittelbar an Bord zu haben, eröffnet Einsatzmöglichkeiten, die eine unbemannte Drohne nicht in gleicher Weise abbilden kann.

„Eine Transportdrohne wird den Hubschrauber nicht überflüssig machen. Es geht darum, die richtige Technik für die jeweilige Aufgabe einzusetzen.“
– CopterPro GmbH

Redaktion Drohnenjournal

Unsere Einschätzung: Der sinnvollere Blick auf die Entwicklung ist deshalb nicht „Drohne gegen Hubschrauber“, sondern „Drohne und Hubschrauber“.

Beide Systeme können unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Drohne und Hubschrauber könnten sich ergänzen

Ein mögliches Zukunftsszenario ist beispielsweise eine Kombination beider Systeme.

Ein Hubschrauber könnte größere Mengen Material zu einem zentralen Umschlagpunkt transportieren. Von dort könnten Transportdrohnen kleinere Ladungen zu einzelnen, schwer erreichbaren Einsatzorten bringen.

Damit würde die Drohne nicht den Hubschrauber ersetzen, sondern dessen Einsatz ergänzen.

Gerade bei der sogenannten letzten Transportstrecke könnte das interessant werden.

Die entscheidende Frage lautet: Wann lohnt sich die Drohne?

Ob eine Transportdrohne wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt immer vom konkreten Einsatz ab.

Entscheidend sind unter anderem:

  • Gewicht und Größe der Ladung
  • Entfernung zum Ziel
  • Anzahl der Transporte
  • Zugänglichkeit des Geländes
  • Wetterbedingungen
  • verfügbare Infrastruktur
  • Personalaufwand
  • Betriebskosten
  • rechtliche Anforderungen

Eine Drohne kann bei einem kurzen Transport in schwierigem Gelände die optimale Lösung sein. Bei einer schweren Ladung über eine große Entfernung kann dagegen der Hubschrauber weiterhin deutlich überlegen sein.

Fazit: Die Transportdrohne wird zum zusätzlichen Werkzeug

Kann eine Transportdrohne einen Hubschrauber ersetzen?

Bei bestimmten Aufgaben: ja. Als universeller Ersatz: nein.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt jedoch, dass Transportdrohnen zunehmend in Bereiche vordringen, die bislang von anderen Transportmitteln dominiert wurden.

Die DJI FlyCart 100 ist dafür ein Beispiel. Mit einer Nutzlast von bis zu 100 Kilogramm eröffnet sie Einsatzmöglichkeiten, die für Multicopter noch vor wenigen Jahren kaum denkbar gewesen wären.

Für CopterPro ist deshalb nicht die Frage entscheidend, ob die Drohne irgendwann den Hubschrauber ersetzt.

„Die Zukunft liegt aus unserer Sicht nicht darin, einen Hubschrauber durch eine Drohne zu ersetzen. Die Zukunft liegt darin, für jede Transportaufgabe das passende System einzusetzen.“
– CopterPro GmbH

Redaktion Drohnenjournal

Unser Fazit: Transportdrohnen werden den Hubschrauber nicht überflüssig machen. Sie könnten aber eine neue Lücke zwischen bodengebundenem Transport und klassischem Lufttransport schließen.

Und genau dort dürfte in den kommenden Jahren noch einiges passieren.

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