Einfach abgehoben fotografieren

Drohnen entwickeln sich schneller als jedes andere Fotoprodukt – und die aktuelle Generation fliegt weiter, filmt schärfer und ist rechtlich endlich europaweit einheitlich geregelt. Wir haben uns wieder einmal umgeschaut.

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als man eine Actionkamera, damals fast immer eine GoPro, unter die Drohne schnallen musste? Gesteuert wurde auf Sicht, fotografiert nach Gefühl – oder man schnitt sich die Bilder hinterher aus dem Video. Das kommt einem heute vor wie aus einem anderen Jahrzehnt. Moderne Drohnen fliegt man per Smartphone oder Fingerzeig, der Fotograf sieht sofort, was dabei herauskommt, und die Kamera hängt längst fest verbaut in einem Gimbal. Genau das macht Drohnen endlich zu einem alltagstauglichen Begleiter, der Fotografen bei der Arbeit unterstützt statt aufzuhalten. Den Anwendungsbereichen sind dabei keine Grenzen gesetzt: Architektur von oben ist natürlich ein Klassiker, aber auch Aufnahmen von Events, Baustellen oder Industrieanlagen kommen beim Auftraggeber hervorragend an. Hochzeitsvideos oder kleine Filmprojekte lassen sich mit Drohnenmaterial im Handumdrehen aufwerten. Der Clou: Aktuelle Modelle liefern dank Stabilisierung kinoreife Sequenzen direkt aus der Kamera. 4K-Video ist heute das Minimum, die Oberklasse dreht in 6K oder gleich in 8K, und selbst die kleinsten Winzlinge unter 250 Gramm haben inzwischen Ein-Zoll-Sensoren an Bord.

Neues Recht aus Brüssel

Wer 2017 eine Drohne steigen ließ, kämpfte noch mit einem deutschen Flickenteppich aus Plaketten, Kenntnisnachweisen und Aufstiegsgenehmigungen. Das ist vorbei: Längst gilt die EU-Drohnenverordnung, die den Betrieb europaweit einheitlich regelt. Sortiert wird nach Risiko in drei Kategorien – „Offen“, „Speziell“ und „Zulassungspflichtig“. Wer als Fotograf mit einer handelsüblichen Kameradrohne unterwegs ist, bewegt sich fast immer in der Kategorie „Offen“ und braucht dafür keine gesonderte Betriebsgenehmigung mehr. Entscheidend ist stattdessen die Gewichtsklasse, die jeder Hersteller seinem Modell heute als C-Klasse (C0 bis C6) aufdruckt.

Die gute Nachricht für Einsteiger steckt in der 250-Gramm-Grenze. Wer darunter bleibt – also zu Modellen der Klasse C0 greift –, darf ohne jeden Kompetenznachweis sofort losfliegen. Genau deshalb boomt die 249-Gramm-Klasse, die inzwischen erstaunlich viel Kamera unter diese magische Grenze quetscht. Ab 250 Gramm wird der „kleine“ EU-Kompetenznachweis (A1/A3) fällig: ein Online-Training samt Online-Prüfung, das je nach Anbieter ab rund 20 Euro zu haben ist und fünf Jahre gilt. Wer mit schwereren Drohnen der Klasse C2 näher an unbeteiligte Personen heran möchte, braucht zusätzlich das „große“ EU-Fernpilotenzeugnis (A2) mit Präsenzprüfung bei einer zertifizierten Stelle, das je nach Anbieter zwischen 79 und 349 Euro kostet.

Eine Pflicht trifft allerdings praktisch jeden Fotografen: die Registrierung. Wer eine Drohne ab 250 Gramm oder – unabhängig vom Gewicht – eine Drohne mit Kamera betreibt, muss sich einmalig als Betreiber beim Luftfahrt-Bundesamt registrieren und seine Betreiber-ID (e-ID) sichtbar an jedem Flugerät anbringen. Das gilt damit für so gut wie jede Foto- und Videodrohne. Dazu kommen die bekannten Grundregeln: maximal 120 Meter Höhe über Grund, Flug nur in Sichtweite, eine gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung sowie die örtlichen Sperrzonen rund um Flugplätze, Menschenansammlungen und Wohngrundstücke.

„Die größte Erleichterung ist zweifellos die 250-Gramm-Grenze: Wer darunter bleibt, braucht keinen Kompetenznachweis und kann praktisch sofort loslegen“, erklärt Christian Solmecke, Medienrechtsanwalt aus Köln. „Dafür sollte niemand die Registrierungspflicht unterschätzen. Sie gilt ausdrücklich auch für Bestandsdrohnen, und wer seine Betreiber-ID nicht sichtbar anbringt, riskiert empfindliche Bußgelder. Unterm Strich hat die EU aber für Rechtssicherheit gesorgt: Die Zeiten, in denen jede gewerbliche Aufnahme eine Sondergenehmigung erforderte, sind vorbei.“

Auch bei der Bauform hat sich die Auswahl vergrößert: Die einen Drohnen sind federleicht und lassen sich für den Transport zusammenfalten, dafür nimmt man Abstriche bei Reichweite und Wetterfestigkeit in Kauf. Wer maximale Bildqualität und Wechselobjektive braucht, findet sein Glück bei den großen Cine-Drohnen, die schnell vier Kilogramm auf die Waage bringen. Von allem haben wir Ihnen ein paar aktuelle Modelle zusammengestellt – überfliegen Sie die Auswahl einmal.

DJI Mini 5 Pro

Kleines Kraftpaket

Wenn Sie eine unkomplizierte Lösung für Luftaufnahmen suchen und sich nicht mit Behördenpapieren aufhalten wollen, dann ist die Mini 5 Pro genau Ihr Fall. Sie bleibt mit unter 250 Gramm haarscharf in der Klasse C0 – kein Kompetenznachweis, einfach registrieren und los. Dass DJI in dieses Fliegengewicht inzwischen einen echten Ein-Zoll-Sensor mit 20 Megapixeln und lichtstarker f/1.7-Blende packt, grenzt an Zauberei. Es gibt 4K mit 60 Bildern pro Sekunde, 10-Bit-Farbe im D-Log-M-Profil und dank drehbarem Gimbal auch echte Hochkant-Aufnahmen für Social Media. Fliegen klappt selbsterklärend, nach zwei, drei Flügen hat man den Dreh raus und beginnt zu spielen: ActiveTrack 360 verfolgt Motive, diverse QuickShots erledigen die kinoreifen Umläufe von selbst. Neu an Bord ist ein LiDAR-Sensor, der zusammen mit der Rundum-Hinderniserkennung sogar in der Dämmerung zuverlässig warnt. Bis zu 50 Minuten Flugzeit verspricht DJI, realistisch bleiben rund 45 – ein Wert, von dem man 2017 nur träumen konnte. Also alles perfekt? Fast: Bei kräftigem Wind merkt man das geringe Gewicht, und trotz Kamera muss auch dieser Winzling registriert werden.

dji.com

Preis: ab ca. 699 €

Gewicht: unter 249 g

C-Klasse: C0 (kein Kompetenznachweis nötig)

Flugzeit: bis 45 min (real)

Kamera: 1-Zoll-CMOS, 20 MP, f/1.7, 4K/60fps

+ Unter 250 g, top Bildqualität fürs Gewicht, LiDAR, lange Flugzeit

− Windanfällig, Registrierung wegen Kamera trotzdem nötig

DJI Air 3S

Der goldene Mittelweg

Wem die Mini eine Nummer zu klein ist, der landet fast zwangsläufig bei der Air 3S – dem Allrounder in DJIs Programm. Sie bringt mit, was die meisten Fotografen wirklich brauchen: einen großen Ein-Zoll-Sensor mit 50 Megapixeln an einem 24-Millimeter-Weitwinkel und dazu eine zweite Kamera, ein 70-Millimeter-Tele mit eigenem 48-Megapixel-Sensor. Damit hat man Landschaft und Detail an Bord, ohne die Drohne umrüsten zu müssen. Video nimmt sie in 4K mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde auf, der Dynamikumfang von 14 Blendenstufen lässt in der Nachbearbeitung viel Spielraum. Ein nach vorn gerichtetes LiDAR und Rundum-Sensoren machen das Fliegen sicher, die Übertragung reicht weit über jede legale Sichtweite hinaus. Mit 724 Gramm fällt die Air 3S allerdings in die Klasse C1 – der kleine Kompetenznachweis A1/A3 ist also Pflicht. Dafür bekommt man eine Drohne, die kaum eine Schwäche hat und den Sprung zum Profi-Werkzeug spielend schafft.

dji.com

Preis: ab ca. 999 €

Gewicht: 724 g

C-Klasse: C1 (A1/A3-Kompetenznachweis nötig)

Flugzeit: bis 45 min

Kamera: 1-Zoll, 50 MP (24 mm) + 70-mm-Tele, 48 MP, 4K/120fps

+ Zwei Kameras, hervorragende Bildqualität, sicher dank LiDAR

− Kompetenznachweis nötig, kein sub-250-g-Freibrief

DJI Mavic 4 Pro

Das 100-Megapixel-Monster

Die Mavic 4 Pro ist für alle, die keine Kompromisse bei der Bildqualität eingehen wollen – und dafür ist DJI weit gegangen. Herzstück ist eine Hasselblad-Hauptkamera mit großem Vier-Drittel-Sensor und satten 100 Megapixeln, die 6K-Video mit 60 Bildern pro Sekunde und eine variable Blende von f/2.0 bis f/11 mitbringt. Dazu gesellen sich gleich zwei Telekameras mit 70 und 168 Millimetern Brennweite – damit deckt die Drohne einen Brennweitenbereich ab, für den man am Boden eine ganze Objektivtasche schleppen würde. Das größte Kunststück ist aber der neue „Infinity“-Gimbal, der sich um volle 360 Grad drehen und bis zu 70 Grad nach oben schwenken lässt – Perspektiven, die vorher schlicht unmöglich waren. Bis zu 51 Minuten bleibt sie in der Luft, gesteuert wird sie über die neue RC Pro 2 mit hellem 7-Zoll-Display. Mit 1063 Gramm fällt sie in die Klasse C2, der Kompetenznachweis A1/A3 ist Pflicht, das A2-Zeugnis dringend zu empfehlen. Ein Schnäppchen ist sie nicht – aber sie liefert dafür Bilder, die noch vor Kurzem der Cine-Klasse vorbehalten waren.

dji.com

Preis: ab 2.099 € (Fly More Combo 2.699 €)

Gewicht: 1.063 g

C-Klasse: C2 (A1/A3 Pflicht, A2 empfohlen)

Flugzeit: bis 51 min

Kamera: Hasselblad 4/3-Zoll, 100 MP, 6K/60fps + 70- & 168-mm-Tele

+ Drei Kameras, 360°-Infinity-Gimbal, riesiger Dynamikumfang, lange Flugzeit

− Hochpreisig, C2-Klasse mit Nachweispflicht, groß und schwer

DJI Inspire 3

Monster für Profis

Wem selbst die Mavic zu sehr nach Consumer-Ware aussieht, der greift zum Inspire 3 – und der spielt in einer komplett anderen Liga. Spätestens wenn beim Start das Landegestell einfährt und die Arme nach oben klappen, wird klar: Der will nicht spielen. Als Kamera dient die Zenmuse X9-8K Air mit echtem Vollformatsensor, die 8K-Video mit bis zu 75 Bildern pro Sekunde im ProRes-Format aufzeichnet – und das mit wechselbaren DL-Objektiven von 18 bis 50 Millimetern. Dual-Native-ISO, ein Dynamikumfang jenseits von 14 Blendenstufen und zentimetergenaue RTK-Positionierung für automatisch wiederholbare Kamerafahrten machen ihn zum Werkzeug für Kinoproduktionen. Wie schon beim Vorgänger kann er von zwei Personen gleichzeitig geflogen werden: einer steuert, der andere führt die Kamera. In fünf Sekunden ist er auf Tempo, fast 100 Kilometer pro Stunde schafft er in der Spitze. Leider ist der Inspire 3 alles andere als ein Schnäppchen – mit Objektiven landet man schnell im fünfstelligen Bereich. Und mit rund vier Kilogramm samt Zubehör ist er ein Fall für die durchdachte Flugplanung, nicht für den spontanen Feierabendflug.

dji.com

Preis: ca. 15.000 € (ohne Objektive)

Gewicht: ca. 3.995 g

C-Klasse: ohne C-Kennzeichnung – in „Offen“ nur A3, sonst Kategorie „Speziell“

Flugzeit: ca. 28 min

Kamera: Zenmuse X9-8K Air, Vollformat, 8K/75fps, Wechselobjektive

+ Vollformat-8K in Kinoqualität, Wechselobjektive, RTK, Dual-Operator

− Sehr teuer, groß und schwer, anspruchsvolle rechtliche Einstufung

Autel EVO II Pro V3

Die Alternative

Nicht jeder möchte sich dem DJI-Universum ausliefern – und genau hier kommt Autel ins Spiel, der hartnäckigste Herausforderer der Marktführer. Der EVO II Pro V3 setzt auf einen Ein-Zoll-Sensor mit 20 Megapixeln und variabler Blende von f/2.8 bis f/11, filmt in 6K mit 30 Bildern pro Sekunde und in 4K mit 60. Der ISO-Bereich reicht für Videoaufnahmen bis 44.000, was den Autel bei schwachem Licht stark macht. Bis zu 40 Minuten bleibt er in der Luft, die Übertragung reicht bis zu 25 Kilometer weit, und die Rundum-Hinderniserkennung ist auf dem Niveau der Konkurrenz. Wer bislang mit DJI geliebäugelt, aber ein Auge auf einen zweiten Anbieter geworfen hat, findet hier eine ausgereifte Option – traditionell gibt sich Autel bei Sperrzonen weniger bevormundend als DJI. Der Preis liegt auf Mavic-Niveau. Nicht so stark: Die Software und das Zubehör-Ökosystem wirken im direkten Vergleich noch etwas weniger poliert, und mit knapp 1,2 Kilogramm ohne europäische C-Kennzeichnung landet der EVO in der Offenen Kategorie nur in A3.

autelrobotics.com

Preis: ca. 2.000 €

Gewicht: 1.191 g

C-Klasse: ohne C-Kennzeichnung – in „Offen“ nur A3

Flugzeit: bis 40 min

Kamera: 1-Zoll-CMOS, 20 MP, f/2.8–f/11, 6K/30fps

+ Starke Low-Light-Leistung, lange Reichweite, unabhängig von DJI

− Software weniger ausgereift, keine EU-C-Klasse, schwer

HoverAir X1 Pro Max

Fliegt für Sie allein

Zum Schluss etwas, das mit einer klassischen Drohne nur noch das Rotorenkonzept gemein hat: die HoverAir X1 Pro Max. Sie startet aus der Handfläche, braucht weder Fernbedienung noch große Einarbeitung und verfolgt Sie anschließend völlig selbstständig – beim Laufen, Radfahren oder auf dem Board. Damit ist sie die moderne Antwort auf die alte Follow-Me-Idee, nur ohne Armband und Gefrickel. Unter 250 Gramm bleibt sie ebenfalls, umgibt sich aber mit einem größeren 1/1,3-Zoll-Sensor, der sogar 8K-Video mit 30 Bildern pro Sekunde und 4K mit bis zu 120 Bildern liefert – letzteres ideal für Zeitlupen. Verschiedene Modi wie Follow, Orbit oder Bird’s Eye erledigen die kinoreifen Bewegungen automatisch, und dank zusammenklappbarer Rotoren passt sie in jede Jackentasche. Da sie sich ganz aufs Verfolgen konzentriert, ist sie kein Werkzeug für Architektur oder Vermessung, und mit rund 16 Minuten ist die Flugzeit knapp. Aber für Solo-Creator, Sportler und alle, die sich selbst ins Bild setzen wollen, gibt es derzeit kaum etwas Cleveres.

hoverair.com

Preis: ab ca. 569 €

Gewicht: ca. 192 g

C-Klasse: unter 250 g (kein Kompetenznachweis nötig)

Flugzeit: ca. 16 min

Kamera: 1/1,3-Zoll-Sensor, 8K/30fps, 4K/120fps

+ Handstart, automatisches Tracking, unter 250 g, 8K-Video

− Kurze Flugzeit, kaum manuelle Kontrolle, nichts für klassische Luftbilder

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