Wärmebildtechnik als Lebensretter Früher mussten riesige Wiesenflächen mühsam und zeitaufwendig zu Fuß, in Menschenketten oder mit Jagdhunden abgesucht werden – oft ohne garantierte Erfolgsquote. Heute übernimmt diese Aufgabe ein Multikopter mit integrierter Wärmebildkamera. Der entscheidende Faktor für den Erfolg ist die Uhrzeit: Die Flüge finden in den sehr frühen Morgenstunden statt. Dann ist das Erdreich noch von der Nacht ausgekühlt. Aus der Luft hebt sich die warme Körpertemperatur des Rehkitzes auf dem Bildschirm des Piloten als leuchtend heller Punkt extrem deutlich vom kalten Untergrund ab.
Der präzise Ablauf einer Rettungsaktion Eine erfolgreiche Mission erfordert stets Teamwork. Vor dem Mähen programmiert der Pilot in der Regel eine automatisierte Flugroute, sodass die Drohne das Feld systematisch in einem Raster abfliegt. Sobald die Kamera eine Wärmesignatur erfasst, stoppt die Drohne im Schwebeflug über dem Fundort. Der Pilot lotst nun die Helfer am Boden per Funk exakt an die richtige Stelle im dichten Gras.
Lebenswichtige Verhaltensregeln beim Bergen Wenn das Kitz gefunden wird, gilt eine eiserne Regel: Es darf unter keinen Umständen mit ungeschützten Händen berührt werden. Überträgt sich der menschliche Geruch auf das Jungtier, wird es später von der Ricke (dem Muttertier) verstoßen und würde verhungern. Die Helfer greifen daher mit dicken Handschuhen und reichlich abgerupftem Gras nach dem Tier. Es wird behutsam in einen abgedunkelten, gut belüfteten Korb gelegt und am sicheren Waldrand platziert. Ist der Traktor mit der Mahd fertig, wird das Kitz sofort wieder freigelassen.
Win-Win-Situation für Tierschutz und Landwirtschaft Das Absuchen per Drohne schützt nicht nur unsere Wildtiere und erfüllt die strengen Auflagen des Tierschutzgesetzes, sondern ist auch für den Landwirt essenziell. Zum einen erspart es dem Fahrer den traumatischen Anblick eines Mähunfalls. Zum anderen verhindert es die gefürchtete Botulismus-Gefahr: Geraten tierische Überreste in das Mähgut, verdirbt die gesamte Silage durch hochgradig toxische Leichengifte. Fressen Kühe oder Pferde dieses kontaminierte Futter, verenden sie meist qualvoll daran.
Anforderungen an das Equipment Für die Rehkitzrettung genügt eine einfache Hobby-Drohne nicht. Es bedarf robuster Systeme mit hochauflösenden thermischen Sensoren, um selbst kleinste Wärmequellen im hohen Gras nicht zu übersehen. Da das Zeitfenster am kühlen Morgen eng begrenzt ist und oft viele Hektar Land warten, sind zudem ausreichend Wechselakkus und ein effizientes Lademanagement für einen reibungslosen Einsatz unabdingbar.

